Vorbild:Rollwagen

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Vorbild:Rollwagen
Auf Rollwagen verladener normalspuriger Güterwagen (Pinzgaubahn; 1997)

Ein Rollwagen (regional auch Pritschenwagen) ist ein Wagen mit ebener, offener Ladefläche (Pritsche), der für den Transport von Gütern aller Art verwendet wird. Der Begriff beschreibt ausschließlich den für den Transport nutzbaren Wagenaufbau.

Als Antrieb wurden ursprünglich Menschen und Zugtiere eingesetzt. Aus den motorisierten Pritschenwagen entwickelten sich dann die Lastkraftwagen, Kleintransporter und Pickups.

1 Rollwagen im Eisenbahnwesen

Hinter der Diesellok laufen Rollböcke, während im Hintergrund ein Rollwagen zu sehen ist. (HSB)
Zwei Rollwagen der Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen.
Rollwagen der HSB beladen mit einem Kesselwagen.
Bahnhof Radebeul Ost: Am Alten Güterboden; zwei Normalspurwagen auf Schmalspur-Rollwagen
RhB-Güterzug mit einem Normalspur-Güterwagen der SBB

Im Eisenbahnwesen ist der Rollwagen ein Nebenfahrzeug, mit dem Regelspurwagen auf Schmalspurbahnen befördert werden (siehe auch Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für Schmalspurbahnen (ESBO) §18 (6)). In seiner Funktionalität gleicht er den Rollböcken. Der gemeinsame Oberbegriff der ESBO für Rollböcke und Rollwagen ist Rollfahrzeuge.

Durch den Transport von Regelspurwagen auf Rollfahrzeugen entfällt das Umladen der zu transportierenden Güter und bringt somit eine erhebliche Kosten- und Zeitersparnis mit sich. Gestiegene Löhne begünstigten daher um 1900 die Einführung des Rollfahrzeugverkehrs. Das gleiche Prinzip findet man auch beim Transport von Güterwagen auf Straßenrollern.

Die Rollwagen sind meist so konstruiert, dass die äußeren Langträger des Rahmens zugleich als Schiene für die Normalspurwagen dienen.

Zum Be- und Entladen werden die Rollwagen an ein stumpf auf Rahmenhöhe endendes Normalspurgleis, die so genannte Rollbockrampe, herangefahren. Es gibt auch kombinierte Bauformen, die das Beladen von Rollböcken und Rollwagen gleichermaßen zulassen. Beim Beladen werden die Enden des Rollwagens durch Unterlegkeile abgestützt, um ein Kippen zu verhindern. Manche Rollwagenrampen besitzen auch auf der gesamten Nutzlänge Hilfsschienen, über denen die Längsträger der Rollwagen zu stehen kommen und so vor dem Kippen der Wagen schützen. Nach dem Fixieren des oder der Rollwagen an der Rampe können die zu verladenden Wagen von der Normalspur herüber geschoben oder mittels Seilzug gezogen werden. Durch Zusammenschieben mehrerer Rollwagen lassen sich mehrere Normalspurwagen gleichzeitig verladen. Die Tatsache, die hauptsächlich verantwortlich für das Aufkommen von Rollwagen in Deutschland war, war das Fehlen eines zusammenhängenden Schmalspurnetzes. Daraus ergibt sich, dass die Schmalspurstrecken in viele Inselbetriebe zerfielen bzw. zerfallen, weswegen die Betriebsvorschriften auch nicht einheitlich waren bzw. sind. Während bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR pro Rollwagen nur ein zweiachsiger Normalspurwagen zugelassen war, verlud die Mittelbadische Eisenbahngesellschaft auch vierachsige Mineralölkesselwagen auf einzelne Rollwagen, die dementsprechend lang ausgestaltet waren. Bei der Reichsbahn verlud man Drehgestellwagen, sofern zulässig, auf zwei Rollwagen. Die Normalspurwagen werden entkuppelt und mit Radvorlegern und Spannketten auf dem Rollwagen gesichert. Auf zwei Rollwagen verladene Drehgestellwagen werden nur auf einem Rollwagen befestigt. Die Rollwagen besitzen entweder fest angebaute vollwertige Kupplungen oder werden auseinandergezogen und mit Kuppelstangen gekuppelt.

Güterwagen auf Rollwagen können zu ganzen Güterzügen zusammengestellt werden. Hierzu sind die Rollwagen mit dem jeweiligen Bremssystem (Druckluft, Saugluft) oder der Heberleinbremse der Schmalspurbahn ausgerüstet. Gekuppelt werden die Rollwagen durch fest angebaute vollwertige Kupplungen der jeweiligen Norm der Schmalspurbahn, oder durch Kuppelstangen, unbeladen in letzterem Fall durch kurze Kuppeleisen. Selten, beispielsweise bei der Schweizer Brünigbahn, ist die Ausrüstung von Rollwagen mit selbsttätiger Mittelpufferkupplung.

Dem gleichen Zweck dienen auch Rollböcke, allerdings weisen diese ein anderes Konstruktionsprinzip unter Verzicht auf die äußeren Langträger auf.

2 Rollwagen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen

Spurweite aller Wagen 750 mm

Gattung 813 Gattung 814 Gattung 816 Gattung 819 Gattung 899 Gattung 900 Gattung 910 Gattung 912
Erstes Auslieferungsjahr 1907 1901 1901 1901 1905 1905 1916 1921
Fahrbühnenhöhe 400 mm 400 mm 400 mm 400 mm
Fahrbühnenlänge 5500 mm 11000 mm 7800 mm 4640 mm 5200 mm 7500 mm 5500 mm 7800 mm
Anzahl Achsen vier sechs sechs drei vier vier vier vier
Tragfähigkeit 34 t

3 Rollwagen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft

Die von der Deutschen Reichsbahn zwischen 1929 und 1938 beschafften 130 vierachsigen Rollwagen für die sächsischen Netze hatten eine Fahrbühnenlänge von 8.000 mm und wurden zum größten Teil mit Körtingbremse ausgeliefert. Weitere 26 Rollwagen dieser Baujahre erhielten bereits eine 9.000 mm lange Fahrbühne. Die Rollwagen des Baujahres 1944 hatten bei ansonsten gleicher Ausführung alle 9.000 mm Längsträger. Die Längsträger wurden aus U-Profilen gebildet, die aus zwei Doppel-T-Trägern zusammengesetzt waren. Die einzelnen Querträger und Kopfstücke waren mit den Längsträgern vernietet.

4 Rollwagen der Deutschen Reichsbahn der DDR

4.1 Neubaurollwagen

Die 1960 bis 1962 von der DR beschafften Rollwagen sind vollständige Schweißkonstruktionen mit einer 9.000 mm langen Fahrbühne, die sowohl für 1.000 mm als auch für 750 mm Spurweite gebaut wurden. Die 415 mm hohen Längsträger ragen außen 105 mm über die Fahrschiene hinaus.

5 Rollwagen bei Privatbahnen

Auch bei vielen Privatbahnen waren Rollwagen im Einsatz. Eine der ältesten Entwicklungen dürfte von der Kölner Waggonfabrik van der Zypen & Charlier stammen; erste Bilder zeigen den Einsatz solcher Fahrzeuge bei der Bayer-Werkbahn. Auch die Hohenlimburger Kleinbahn setzte ab 1900 derartige Fahrzeuge ein. Offensichtlich hat später die Dortmunder Firma Both & Tilmann die Produktion übernommen. Fahrzeuge dieses Herstellers gab es neben der Hohenlimburger Kleinbahn bei der Plettenberger Kleinbahn, der Iserlohner Kreisbahn, der Klb. Haspe-Vörde-Breckerfeld, den Wuppertaler Bahnen usw. Geliefert worden war auch in die Schweiz, u.a. eine Sonderkonstruktion, bei der auch noch die Fahrschienen drehbar gelagert waren, um besonders enge Radien befahren zu können. Weitere Hersteller im Westen Deutschlands waren die Hohenlimbuger Maschinenbauanstalt Boecker & Volkenborn sowie die Fa. Orenstein & Koppel aus Dortmund-Dorstfeld. Diese Firma hatte 1960/61 moderne, geschweißte Rollwagen mit 9 m Länge und Druckluftbremsen an die Hohenlimburger Kleinbahn geliefert. Nach der Betriebseinstellung dieser Bahn sind einige Exemplare an die DR für die Industriebahn Halle verkauft worden. Von dem Hohenlimburger Bestand sind fünf Wagen der Hersteller Both & Tilmann, Boecker & Volkenborn und O & K bei der Märkischen Museumseisenbahn bei Plettenberg erhalten geblieben; davon zwei, die aus Halle zurückgeholt worden waren. Auch der DEV in Bruchhausen-Vilsen und die Selfkantbahn haben Rollwagen in ihrem Bestand.

6 Bezeichnungen

Als Rollschemel bezeichnet man in der Schweiz die Rollwagen, in Württemberg hingegen die Rollböcke.

7 Weiterführende Informationen

  • Artikel in der Deutschsprachigen Wikipedia: Rollwagen

Vorbildinformationen aus der Deutschsprachigen Wikipedia adaptiert.