Vorbild:Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft

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Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
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Quelle: Deutschsprachige Wikipedia
DETAILS
EPOCHE I-V DeutschlandDeutschland
BAHNGESELLSCHAFT AEG
Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
ZEITRAUM 1887-1996

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Die 1887 gegründete Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) war eines der bedeutendsten deutschen Elektrounternehmen. Das Unternehmen wurde 1996 aufgelöst; der Markenname AEG wird jedoch von Lizenznehmern bei vielen Elektroprodukten weiter benutzt.

1 Detaillierte Vorbildinformationen



2 Geschichte

Werbung der Deutsche Edison Gesellschaft 1884
AEG-Logos seit 1896

2.1 Die Anfänge

AEG-Gründer Emil Rathenau
Emil Rathenau, Gründer der AEG, (1. Reihe, 5. von rechts) besucht am 12. September 1891 mit weiteren Prominenten das erste Drehstromkraftwerk in Lauffen am Neckar, das für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung installiert wurde.
Beamtentor des AEG-Geländes in Berlin-Gesundbrunnen
Apparatewerk Berlin-Gesundbrunnen
Ackerstraße/Ecke Feldstraße
Glühlampenwerk Berlin-Moabit
Sickingenstr. 70/71, 1907–12 gebaut
1920–1939: Osram
Ab 1939: Telefunken
Zeitgenössische Lithografie des Eingangsbereichs der Elektrotechnischen Ausstellung 1891 mit dem Arkadenbogen (1000 Glühbirnen) und dem künstlichen Wasserfall, der von einer 100-kW-Pumpe angetrieben wurde.

Die Gesellschaft verdankt ihre Entstehung Emil Rathenau, der 1883 die Patente an den Erfindungen Thomas Alva Edisons zu Glühlampen für Deutschland erwarb und dazu in Berlin, Schlegelstraße 26 eine kleine Studiengesellschaft gründete. Diese Gesellschaft wurde im selben Jahr zur Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität.

Die Edison-Gesellschaft gründete 1884 die Städtischen Elektricitätswerke (A.G.StEW) zu Berlin (ab 1887: Berliner Elektricitäts-Werke). Die technische Ausrüstung lieferte die AEG.

Von 1883 bis 1889 war der Münchener Ingenieur und spätere Gründer des Deutschen Museums Oskar von Miller der Direktor der Edison-Gesellschaft. Emil Rathenau holte 1887 Michail von Dolivo-Dobrowolsky ins Unternehmen, der als Chefingenieur der Drehstromtechnik zur praktischen Anwendung verhalf, indem er den ersten funktionsfähigen Drehstrommotor erfand. 1891 gelang Miller und Dobrovolski anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main erstmals die Übertragung von Drehstrom über eine größere Strecke: Der in einem Kraftwerk in Lauffen am Neckar erzeugte Strom wurde über eine Strecke von 175 Kilometer nach Frankfurt transportiert, wo er auf dem Ausstellungsgelände 1000 Glühlampen speiste und einen künstlichen Wasserfall antrieb. Dieser Erfolg war der Beginn der allgemeinen Elektrifizierung mit Wechselstrom in Deutschland und verhalf der AEG zum wirtschaftlichen Erfolg.

Die erste Fabrikationsstätte befand sich seit 1886/1887 in der Schlegelstraße 26/27 in der Nähe des Stettiner Bahnhofs. Dort nahm die Deutsche Edison Gesellschaft von Emil Rathenau die Fabrikation von Glühlampen auf. 1887 erwarb die Gesellschaft in Berlin-Gesundbrunnen das Areal zwischen Ackerstraße, Feldstraße, Hermsdorfer Straße (der heutigen Max-Urich-Straße) und der Hussitenstraße, auf dem sich vorher die Weddingsche Maschinenfabrik von Wilhelm Wedding befand. 1887/1888 führten die Handwerksmeister H. Theleman und H. Büttner, C. Heidecke und der Baumeister A. Soeder sämtliche Erweiterungen aus. Im selben Jahr erfolgte neben einer Umstrukturierung und Erweiterung der Produktionspalette die Namensänderung in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, abgekürzt AEG. Paul Tropp begann seine Arbeiten für die AEG 1889/1890 bis 1893, und Franz Schwechten entwarf die Fassaden zur Acker- und Hussitenstraße um 1894–95. Der fünfstöckige Backsteinbau umschließt bis heute das Areal. 1894 wurde das Gelände des ehemaligen Berliner Viehmarkts zwischen Hussiten- und Brunnenstraße erworben. Damit war auch ein Gleisanschluss an das Berliner Schienennetz hergestellt, eine Schienenverbindung zwischen dem Apparatewerk und dem Gelände des ehemaligen Viehmarktes existierte jedoch noch nicht. Im Jahre 1895 wurde deshalb als Verbindung zwischen den beiden Grundstücken eine Untergrundbahn in einem eigens dafür angelegten Tunnel von 270 Metern Länge angelegt. Mit seinen beiden überirdisch angelegten Endstationen diente die Bahn nur dem innerbetrieblichen Personen- und Lastverkehr. Realisiert wurde der Tunnelbau von Siemens & Halske (S&H) unter der Leitung von C. Schwebel und Wilhelm Lauter, die ebenfalls den Spreetunnel Stralau, hier dann für den öffentlichen Personenverkehr, planten.

Für den Bereich der drahtlosen Nachrichtenübermittlung (Telegraphie) gründete die AEG zusammen mit Siemens & Halske im Jahre 1903 die gemeinsame Unternehmenstochter Telefunken.

Walther Rathenau, Aufsichtsratsvorsitzender der AEG ab 1912

1907 bestellte die AEG den Architekten Peter Behrens zum künstlerischen Berater. Zuständig für die Gestaltung sämtlicher Produkte, der Werbemittel und der Architektur gilt er als der weltweit erste Corporate Designer. Ein Exemplar aus gegossenem Aluminium des von Behrens entworfenen Schriftzugs der AEG befindet sich im Buchstabenmuseum in Berlin.

Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckte sich bald auf alle Gebiete der Starkstromtechnik, insbesondere auf die elektrische Beleuchtung, die elektrische Kraftübertragung, elektrische Bahnen, elektrochemische Anlagen, außerdem auf den Bau von Dampfturbinen, Dieselmotoren, Automobilen, Kabeln und Leitungsmaterialien. In den ersten Jahrzehnten besaß die Gesellschaft zahlreiche Fabriken in und um Berlin:

Turbinenfabrik (1909)
Berlin-Moabit
Huttenstraße 12–16
  • Maschinenfabrik (Dynamomaschinen, Elektromotoren, Transformatoren)
  • Apparatefabrik (Bogenlampen, Ausschalter, Sicherungen, Widerstände, Regler, Anlasser, Messinstrumente aller Art)
  • Kabelwerk (Kupfer- und Metallwerk, Gummifabrikation, Mikanitfabrik)
  • Glühlampenfabriken (Kohlefaden- und Metallfadenglühlampen, Nernst-Lampen), später in Osram eingebracht
  • Turbinenfabrik Moabit (Dampfturbinen)

2.2 Tabellarische Chronik

2.2.1 Gründungsjahre bis 1945

Fabrikgebäude in Berlin-Gesundbrunnen (Ecke Voltastraße/Hussitenstraße)
Fabrikgebäude in Berlin-Gesundbrunnen (von der Gustav-Meyer-Allee aus gesehen)
Werksuhr (um 1910) aus einer modularen Produktreihe, Entwurf: Peter Behrens
Der künstliche Wasserfall auf der Ausstellung 1891
Zeigerschreibmaschine AEG Mignon (um 1930)
Berliner Gedenktafel für Polnische Zwangsarbeiter in Berlin-Gesundbrunnen (Gustav-Meyer-Allee 25)
  • 1897: Gründung der Unternehmenstochter KWO Kabelwerk Oberspree mit Erwerb eines großen Baugeländes im damaligen Bezirk Berlin-Oberschöneweide. Baubeginn von Produktions- und Hilfsgebäuden nach Plänen des Architekten Peter Behrens
  • 1899: Beginn der Produktion von Nernstlampen.
  • 1900: Erfindung des Föns.
  • 1901 nimmt die Neue Automobilgesellschaft (NAG) die Produktion in Oberschöneweide (heute in Berlin-Treptow-Köpenick) auf.
  • 1903: Die andauernden Patent-Streitigkeiten mit Siemens & Halske werden durch die gemeinsam betriebene „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H, System Telefunken“ beigelegt.
  • 1903: Am 27. Oktober erreicht ein Drehstromtriebwagen der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft –in direkter Konkurrenz zu Siemens & Halske – auf der Versuchsstrecke der Königlich Preußischen Militär-Eisenbahn zwischen Marienfelde und Zossen eine Höchstgeschwindigkeit von 210,2 km/h. Dieser Geschwindigkeitsweltrekord für Schienenfahrzeuge hielt bis 1931 stand.
  • 1904: Fusion von AEG mit der Union-Elektricitäts-Gesellschaft (UEG)
  • 1910: Einstieg in den Flugzeugbau mit der Abteilung Flugzeugbau (Hennigsdorf bei Berlin).
  • Erweiterungsbauten auf dem Gelände in Oberschöneweide, unter anderem durch Ernst Ziesel und den Bauingenieur Gerhard Mensch
  • 1915: Emil Rathenau, der AEG-Gründer stirbt im Alter von 76 Jahren an den Folgen (u.a. Beinamputation) seines Diabetes mellitus am 20. Juni 1915 in Berlin und sein Sohn Walther Rathenau übernimmt das Präsidium der AEG bis zu seiner Ermordung am 24. Juni 1922. Den Vorsitz des Direktoriums ab 1915 und später den Vorstandsvorsitz der Gesellschaft übernimmt bis 1928 Felix Deutsch. Ab 1928 bis 1947 führt Hermann Bücher den AEG-Konzern.
  • 1927: Das Berliner Schau- und Verkaufsgebäude in der Luisenstraße 35 wird am 15. September bei einem Brand zerstört.
  • 1928: Das heutige Kunsthaus Tacheles wird als neues Schau- und Verkaufsgebäude auf einer Fläche von 10.500 m² umgebaut und fortan als Haus der Technik bezeichnet.
  • 1929/1930 übernimmt der US-amerikanische Elektro- und Medienkonzern General Electric 30 Millionen Reichsmark AEG-Stammaktien zum Kurs von 200 Prozent, was einem Anteil von 27,5 Prozent entspricht und entsendet fünf Mitglieder in den AEG Aufsichtsrat.
  • 1935: Vorstellung des weltweit ersten Tonbandgerätes Magnetophon K1 auf der Großen Deutschen Funk-Ausstellung Berlin.
  • 1935 werden die Borsig Lokomotiv-Werke übernommen, deren Lokomotivbau dann nach Hennigsdorf verlagert wird.
  • 1941: AEG kauft Siemens & Halske deren Telefunken-Anteile ab und führt das Unternehmen als 100 %ige Tochtergesellschaft weiter. Siemens & Halske bekommt die Erlaubnis, bis Kriegsende die Telefunken-Patente weiter zu nutzen.

2.2.2 Nachkriegsjahre

  • 1945: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Produktion der Fabriken in den Westsektoren Berlins, Nürnberg, Stuttgart und Mülheim an der Ruhr wieder aufgenommen und weitere neue Werke errichtet, unter anderen ab Mai 1946 die Zählerfabrik in Hameln, die später auch Sicherungsautomaten und technische Leuchten produzierte und 1963 rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigte. Das Werk in Hennigsdorf wird VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler Hennigsdorf (LEW). Das Kabelwerk Oberspree und die Apparatefabrik Treptow werden Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG). Da der Wiederaufbau der AEG wegen der Berliner Blockade nicht von der geteilten Stadt aus zu bewältigen ist, wird die Hauptverwaltung für die nicht enteigneten Unternehmensteile von dem im sowjetischen Sektor von Berlin-Mitte liegenden und im Krieg zerstörten AEG-Haus Friedrich-Karl-Ufer 2/4 (ab 1951 Kapelle-Ufer) zunächst nach Hamburg und Anfang der 1950er Jahre nach Frankfurt am Main in das AEG-Hochhaus verlegt.
  • 1948: Die AEG Fabrik Kassel (FK) wurde im Jahre 1948 auf dem Gelände des ehemaligen MWK Motorenbau Werk Kassel in der Kasseler Lilienthalstraße 150 von der AEG in Betrieb genommen. Als erster Fabrikteil nahm die Hochspannungsschaltgerätefabrik (HSF) die Fertigung auf, später folgten die Kühlgerätefertigung (KSF), Fahrkartendruckerfabrik (FDF), Isolierstofffabrik (IF) sowie das weltweit anerkannte Hochspannungsinstitut (HI). In den frühen 1960er Jahren arbeiteten mehr als 5000 Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen im Werk Kassel (FK). Heute werden am Standort Lilienthalstrasse noch immer Hochspannungsschaltgeräte hergestellt.
  • 1950: Die neue Unternehmenszentrale entsteht an der Friedensbrücke in Frankfurt/Main. Eine Dependance wird im Gebäudekomplex des ehemaligen Generalkommandos in Berlin am Hohenzollerndamm eingerichtet. Das Werk in Oldenburg produzierte Kleinmotoren und Hausgeräte und beschäftigte 1963 rund 2.650 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten im Konzern steigt von 20.900 im September 1948 auf 55.400 Personen im September Jahres 1957. Im selben Jahr übersteigt der Umsatz erstmals eine Milliarde DM. Die hohen Investitionen für den Neuaufbau der AEG (von 1948 bis 1956 über 500 Millionen DM) belasten allerdings die Bilanz erheblich.
  • 1958: Erstmals wird für die Hausgeräte der Slogan AEG – Aus Erfahrung Gut verwendet, woraus der Volksmund alsbald „Alles Ein Gammel – Aber Es Geht“ macht oder: „Auspacken, Einschalten, Garantiefall bzw. Geht nicht“, oder auf Fränkisch: „Allmächd, Edz Gäihds.“
  • 1962: Der AEG-Konzern umfasst in der Bundesrepublik 127.000 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 3,1 Milliarden DM. In Springe eröffnet die AEG im Februar 1962 eine neue Fabrik zur Herstellung von Regel- und Steuergeräten mit 200 Beschäftigten.
  • 1962: Patenterteilung für das von Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelte PAL-Farbfernsehsystem.
  • 1966: Es wird die Größtmaschinenhalle auf dem Areal Brunnenstraße in Berlin fertiggestellt. Sie galt zu dieser Zeit als größte Halle der Branche in Europa (175 m lang, 45 m breit und 26 m hoch) und gestattete mit vier koppelbaren Kranbahnen den Bau von Motoren und Generatoren größter Leistungen und mit Einzelgewichten bis 400 t für den Weltmarkt. Zur Grundsteinlegung war der damalige Justizminister der USA, Robert Kennedy, anwesend. Die Halle wurde nach Schließung der Betriebsstätte Brunnenstraße 1986 abgerissen. An der Brunnenstraße wurden von Siemens Nixdorf neue Gebäude errichtet, die heute auch nicht mehr vorhanden sind.
  • 1. Januar 1967: Fusion mit Telefunken als: Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken mit Sitz in Frankfurt am Main.

2.2.3 Untergang

  • 1970: Weltweit steht AEG-Telefunken mit 178.000 Mitarbeitern an zwölfter Stelle in der Weltrangliste der größten Elektrounternehmen. Die Unternehmenskrise zeichnet sich jedoch ab. Das Unternehmen wird unter anderem belastet durch letztlich erfolglose Projekte, wie den Bau einer automatischen Gepäckförderanlage am Flughafen Frankfurt und den Einstieg in den Bau von Kernkraftwerken. Die von der AEG in den 1960er-Jahren entwickelte Baulinie von Siedewasserreaktoren konnte sich am Markt letztlich nicht durchsetzen. Insbesondere das Kernkraftwerk Würgassen, dessen Inbetriebnahme sich wegen einer Reihe von technischen Problemen um Jahre verzögerte, kostete die AEG Hunderte von Millionen Mark. Neben solchen technischen Problemen war eine Hauptursache für den Zusammenbruch ein chaotisches Finanz- und Planungswesen. Planungsunterlagen waren unnötig ausführlich und dadurch unverständlich. In Frankfurt/Main gab es eine aufgeblähte, uneffektive Unternehmenszentrale mit fast 1000 Mitarbeitern. Gewinne und Verluste verschiedener Geschäftsbereiche wurden durch das Rechnungswesen so zusammengeführt, dass nach Insider-Informationen schließlich kein einziger Bereich tatsächliche Gewinne auswies. Mit derartigen Problemen stand die AEG nicht allein (siehe u.a. auch Untergang von Borgward und Vulkan-Werft).
  • 1972: Der Konzern schüttet letztmalig eine Dividende aus. Die Unterhaltungselektronik wird unter dem Namen Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH mit Sitz in Hannover ausgegliedert. Die Computertechnik folgt: Das Tätigkeitsgebiet der Großrechner (TR 4, TR 10, TR 440) wird zunächst in eine Kooperation unter dem Namen Telefunken Computer GmbH mit dem Unternehmen Nixdorf Computer eingebracht und zwei Jahre später an Siemens verkauft (Computer Gesellschaft Konstanz). Das Tätigkeitsgebiet der Prozessrechner (TR 84, TR 86, AEG 60-10, AEG 80-20, AEG 80-60) wird im Geschäftsbereich Automatisierungstechnik (ab 1980 als ATM Computer GmbH) weitergeführt.
Datei:Telefunken hochhaus.jpg
Telefunken-Hochhaus in Berlin
(Aufnahme: 2006)
  • 1975: Das ehemalige Telefunken-Hochhaus am Berliner Ernst-Reuter-Platz wird an den Berliner Senat verkauft. Das Gebäude war bereits früher an die TU Berlin vermietet worden.
  • 1976: Um die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat zu umgehen, werden von Walter Cipa (Dipl.-Geologe und von 1976 bis 1980 AEG-Chef) neben den beiden selbstständigen Unternehmens AEG Hausgeräte und der Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH zusätzlich vier sogenannte „Betriebsführungsgesellschaften“ als Aktiengesellschaften gegründet, die zu 100 Prozent Unternehmenstochtern der Konzernmutter sind (die Zahlen in Klammern beziehen sich auf den Anteil am Konzernumsatz im Jahre 1980):
    • AEG-Telefunken Anlagentechnik AG (37 %)
    • AEG-Telefunken Serienprodukte AG (16 %)
    • AEG-Telefunken Kommunikationstechnik AG (6 %)
    • Olympia Werke AG (Unternehmensbereich Bürotechnik, 7 %)
    • AEG-Hausgeräte GmbH (22 %)
    • Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH (12 %)
  • 1979 wird das Unternehmen aus EG-rechtlichen Gründen in AEG-Telefunken Aktiengesellschaft umfirmiert bei gleichzeitigem Fortfall der noch aus dem Jahr 1887 stammenden Zusatzbezeichnung Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
  • 1980: Heinz Dürr wird zum 1. Februar Vorstandsvorsitzender (bis 1990)
  • 1982: Am 9. August muss die Konzernleitung beim Amtsgericht Frankfurt/Main Vergleich anmelden. Ein Sanierungskonzept, das Bundesbürgschaften von 600 Mio. DM und neue Bankkredite von 275 Mio. DM vorsah, scheiterte zunächst an der Uneinigkeit der Banken, dann gewährte ein Bankenkonsortium dem AEG-Konzern bis Juni 1983 ein Verwalterdarlehen von 1,1 Mrd. DM. Davon waren 700 Mio. DM sofort verfügbar und 400 Mio. DM nach Zusage einer Bürgschaft durch den Bund. Vergleichsverwalter war der Rechtsanwalt Wilhelm Schaaf. Infolge des Vergleichsverfahrens der AEG (August 1982 bis Oktober 1984) wurden weitere wesentliche Kernbereiche abgegeben. Hiervon ist nicht nur die AEG-Telefunken AG, sondern auch die Tochtergesellschaften Küppersbusch AG in Gelsenkirchen, die Hermann Zanker Maschinenfabrik GmbH & Co. KG in Tübingen und die Carl Neff GmbH in Bretten betroffen. Die Alno-Möbelwerke GmbH & Co. KG in Pfullendorf wurde wieder von den bisherigen Minderheitsgesellschaftern der Familie Nothdurft übernommen und aus dem Konzern ausgegliedert. Auch Zulieferer der AEG mussten Konkurs anmelden, u.a. die Becher & Co. Möbelfabriken KG in Bühlertann. Mitauslöser dafür waren unangemessene Unternehmensaufkäufe und mangelnde Kontinuität der Unternehmenspolitik. Eine Auswirkung des Vergleichs war unter anderem der Verkauf des Areals der traditionellen Maschinenfabrik Brunnenstraße im damaligen Berliner Bezirk Wedding. Damit wurden die Groß- und Kleinmaschinenfabrik zugunsten der Lloyd Dynamowerke in Bremen (Mittelmaschinen), der AEG-Fabrik Essen (Großmaschinen) und des Unternehmens Bauknecht (Kleinmaschinen) aufgegeben. Für die ebenfalls auf diesem Areal befindlichen Stromrichterfabrik und Bahnfabrik wurden neue Fabriken in Berlin-Marienfelde bzw. Berlin-Spandau erbaut. Das Großrechenzentrum und das Institut für Automation werden an anderen Standorten untergebracht.
  • 1983/1984: Die Sparte Unterhaltungselektronik (Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH) wird an den französischen Staatskonzern Thomson-Brandt verkauft, der in der Folge die Produktion mit SABA und Nordmende zusammenlegt.
  • 1985: Übernahme durch die Daimler-Benz AG. Der Name lautet wieder AEG Aktiengesellschaft, Logo siehe oben. Damit soll die Vision des Daimler-Benz Vorstandes Edzard Reuter (ab 1987 Daimler-Vorstandsvorsitzender), der aus beiden Unternehmen einen „Integrierten Technologiekonzern“ schaffen will, besser dargestellt werden.
  • 1988: Anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen des AEG-Forschungsinstituts stiftet die AEG den Carl-Ramsauer-Preis.
  • 1990: Der Bahnbereich kooperiert als AEG Westinghouse Transport-Systeme GmbH (Sitz Berlin) kurzzeitig mit der Westinghouse Transportation Systems Inc. in Pittsburgh, USA.
  • 1992: Fusion des Bahnbereiches mit dem Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf, woraus die „AEG Schienenfahrzeuge GmbH“ entsteht.
  • 1992: Die schwedische Atlas Copco-Gruppe erwirbt die AEG Elektrowerkzeuge GmbH.
  • 1994: Verkauf der Abteilung für Automatisierungstechnik (Modicon) an Schneider Electric und der AEG Hausgeräte AG an Electrolux.
  • 1995: Die AEG Schienenfahrzeuge GmbH geht nach der Verlagerung der Spandauer Betriebsstätte nach Hennigsdorf in die ABB Daimler-Benz Transportation (Adtranz) und mit dieser am 1. Mai 2001 in die Bombardier Transportation über, bleibt aber noch unter HRB 2889 beim Registergericht Potsdam mit Sitz in Hennigsdorf eingetragen (Stand Aug. 2008).
  • 1996:
    • Verkauf von neun mittelständisch strukturierten Gesellschaften an die Elexis Elektroholding GmbH (1998 umfirmiert in elexis AG).
    • Übernahme der AEG Anlagen- und Automatisierungstechnik durch Cegelec.
    • Übernahme der AEG Energietechnik (AEG T&D) durch GEC-Alsthom
    • Die Hauptversammlung der Daimler-Benz AG beschließt unter Vorsitz von Jürgen Schrempp die Auflösung des verlustbehafteten Konzerns. Die Firma AEG wird am 20. September 1996 aus dem Handelsregister gestrichen.

2.2.4 Nachleben der Marke und der Unternehmensteile

  • 1997: Das umfangreiche Unternehmensarchiv wird an das Deutsche Technikmuseum Berlin übergeben.
  • 1999: Die ehemalige Konzernzentrale am Theodor-Stern-Kai in Frankfurt am Main wird gesprengt, um Platz für ein neues Gebäude zu schaffen.
  • 2000:
    • Die 1981 gegründete AEG Softwaretechnik, ab 1996 Teil der repas AEG-Unternehmensgruppe und seit 1998 unter dem Namen repas AEG Software GmbH geführt, wird 2000 von der PSI AG übernommen und firmiert als PSI Transportation GmbH, seit 2007 als PSI Transcom GmbH. Der Namensteil AEG verschwindet. Die PSI AG wurde 1969 von AEG-Mitarbeitern ausgegründet.
    • ITM Technology AG übernimmt die Rechte am Markennamen AEG für Telekommunikation und Car Hifi. 2009 fallen jedoch für die ITM Technology AG im Rahmen eines Insolvenzverfahrens Lizenzen von AEG und Hagenuk weg.
  • 2002:
    • Schließung des AEG-Hausgeräte-Werkes in Kassel, Verlagerung der Produktion von Kühl- und Gefriergeräte nach Italien und Ungarn.
    • Die Stiebel-Eltron-Gruppe kauft die Electrolux Haustechnik GmbH (EHT) mit der AEG Haustechnik.
  • 2004:
    • Die EHG Elektroholding GmbH, Tochtergesellschaft der DaimlerChrysler AG, verkauft für etliche Produktgruppen die globalen AEG-Markenrechte an die schwedische Electrolux AG.
    • ETV Elektrotechnische Vertriebsgesellschaft mbH übernimmt die Rechte am Markennamen AEG für Consumer Electronic und Health Care.
    • Übernahme der Elektromaschinen-Marke AEG von Atlas Copco durch Techtronic Industries, die seither unter dem Namen A&M Elektrowerkzeuge firmiert.
  • 2005: Bekanntgabe der Schließung des Nürnberger AEG-Werkes und Verlagerung der Produktion nach Polen und Italien. Somit werden zukünftig alle AEG-Haushaltsgeräte, bis auf die im AEG-Werk Rothenburg ob der Tauber produzierten Backöfen, Herde und Kochmulden, außerhalb Deutschlands (in erster Linie in Polen, Ungarn und Italien) produziert. Die Schließung führte zu einem sechswöchigen Streik der Belegschaft und einem Boykottaufruf der Gewerkschaft (Konsumentenboykott).
  • 2007: Die letzte AEG-Waschmaschine lief am 9. März im Electrolux-Werk Nürnberg vom Band; am 16. März wurde das Werk geschlossen.
  • 2008: Electrolux reaktiviert den unternehmerischen Mantel im August 2008, sodass der Name AEG als neuer Bestandteil des Konzerns auftritt.
  • 2009 erwarb die Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Germany1 Acquisition Limited die Mehrheit an dem Hersteller von Stromversorgungsgeräten AEG Power Solutions von dem Finanzinvestor Ripplewood. AEG Power Solutions mit Sitz in den Niederlanden ist hervorgegangen aus der Saft Power Systems (ehemals eine Tochter von Alcatel), die 1998 die AEG SVS Power Supply Systems GmbH erwarb; seit 2008 firmiert die Gruppe unter dem Namen AEG Power Solutions, soll aber bis Sommer 2010 in 3W Power Holdings umbenannt werden.

3 Lokomotivbau

AEG Versuchsträger 182 001

Die AEG war im 20. Jahrhundert an der Entwicklung und Fertigung des elektrischen Teils nahezu aller deutschen elektrischen Lokomotivbaureihen beteiligt. Außerdem entstanden zahlreiche Dampflokomotiven in den Werken der AEG. Ab 1931 übernimmt AEG das Unternehmen Borsig-Werke und überführt den gesamten Lokomotivbau in das Werk in Hennigsdorf (als Tochtergesellschaft Borsig Lokomotiv-Werke GmbH). 1948 wird das Werk zum VEB „Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler Hennigsdorf“ (LEW). Neben zahlreichen elektrischen Triebfahrzeugen für die Deutsche Reichsbahn und das Ausland werden bis 1954 noch wenige Dampflokomotiven gebaut. Bei der in der Bundesrepublik Deutschland betriebenen Entwicklung des Drehstromantriebs geriet die AEG gegenüber dem Mitbewerber BBC in den 1970er Jahren jedoch ins Hintertreffen. Die durch den Drehstrom-Versuchsträger 182 001 ab 1981 gewonnenen Kenntnisse führten aber zu Aufträgen für die Serienfertigung der Drehstromtechnik in den Baureihen 120 und 401 (ICE 1). Erst nach der deutschen Wiedervereinigung und der Übernahme des LEW-Werkes in Hennigsdorf kehrte der Name AEG für kurze Zeit in größerem Maße in die Lokomotivfertigung zurück. 1990 übernimmt AEG die MAN Gutehoffnungshütte Schienenverkehrstechnik AG am Standort Nürnberg. Diese firmiert 1993 in AEG Schienenfahrzeuge Nahverkehr & Wagen GmbH um. 1995 wird die „AEG Schienenfahrzeuge GmbH“ in die ABB Daimler-Benz Transportation (Adtranz, heute Bombardier Transportation) umgewandelt.

4 Flugzeugbau

Im Jahr 1910 gründete die AEG die Abteilung Flugzeugbau. Als erstes Flugzeug wurde 1912 ein reiner Holzbau nach dem Vorbild des Doppeldeckers der Gebrüder Wright gebaut. Dieses besaß eine Flügelspannweite von 17,5 m und einen Antrieb mit einem Achtzylinder-Motor mit einer Leistung von 75 PS. Das Leergewicht des Flugzeugs betrug 850 kg, die erreichte Geschwindigkeit 65 km/h.

Ab 1912 wurden die Flugzeuge in Gemischtbauweise aus Holz und Stahlrohr mit Stoffbespannung gebaut.

Im Zweiten Weltkrieg ist bei AEG für Aufklärungszwecke eine Hubschrauberplattform mit Antrieb durch einen Drehstrommotor entwickelt worden; die Stromzuführung erfolgt dabei durch drei Kabel vom Boden aus, die Plattform ist also „gefesselt“, sie kann nicht frei fliegen. Erreicht wurde nur etwa 300 m Flughöhe.

5 Automobile

Die NAG (Neue Automobil Gesellschaft) baute erste NAG-Wagen nach Entwürfen von Professor Klingenberg zunächst im Kabelwerk Oberspree. Spätere Konstruktionen stammten von Josef Vollmer. 1904 wurde der Bau von Lastwagen aufgenommen. 1912 erfolgte Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Umbenennung in „Nationale Automobil-Gesellschaft“.

6 Projektoren

Die AEG produzierte über einen längeren Zeitraum auch Filmprojektoren.

  • Stillstandsmaschine 1919 Projektor 35 mm
  • Theatermaschine 1920 Projektor 35 mm
  • Triumphator I–III 1924–1935 Projektor 35 mm ACR 0710
  • Successor (Lehrmeister) 1925–1935 Projektor 35 mm
  • Kofferkino 1927 encased Projektor 35 mm
  • Lehrmeister 1929 Projektor 35 mm ACR 0709 (Leitz)
  • Mechau Modell 4 1929–1934 Projektor 35 mm
  • Euro K 1938–42 Projektor 35 mm
  • Euro M 1936 Projektor 35 mm
  • Euro G 1938 Projektor 35 mm, Interlock-Version (G-MB)
  • Euro M2 1939–1944 Projektor 35 mm

7 Weiterführende Informationen

  • Artikel in der Deutschsprachigen Wikipedia: AEG

Vorbildinformationen aus der Deutschsprachigen Wikipedia adaptiert.